Vom Kinderheim zum Dorfentwicklungsprojekt

Nachdem die Inter-Mission sich über Jahrzehnte im Rahmen von Kinderheimen für Jungen und Mädchen aus ärmsten Verhältnissen eingesetzt hat, richtet sich der Focus seit einigen Jahren vermehrt auf Dorfentwicklungsprojekte. Tausende von Kindern erlebten in unseren Heimen eine massive Lebensveränderung, durchliefen eine Schul- und oft eine Berufsausbildung, entdeckten den Segen des Evangeliums für sich und leben heute in wesentlich besseren Umständen. Allerdings stellte sich in den letzten Jahren immer deutlicher heraus, dass das Konzept der Kinderheime in den meisten Fällen nicht zukunftsfähig ist – und auch nicht mehr in dem Maße nötig wie in den Anfangsjahren.

Aus verschiedenen Gründen: – Die Ansprüche in Indien sind rapide gestiegen, Kosten und Gehälter ebenso. Ein Ende dieser Spirale ist nicht abzusehen. – Die Regierung stellt immer höhere Anforderungen an Infrastruktur und Personal, die in zunehmendem Maße nicht mehr finanzierbar sind und schränkt gleichzeitig die Freiheiten ein, die Heime christlich zu führen. – Es wird immer schwieriger, fähige Heimleiter zu finden, die bereit sind, rund um die Uhr für die Kinder da zu sein.
Die Förderung armer, gefährdeter und bisher chancenloser Kinder im Rahmen von Dorfprojekten hat sich jedoch als eine echte Alternative herausgestellt. Durch die schulische, gesundheitliche, emotionale und geistliche Betreuung der Mädchen und Jungen werden die äußerst armen, oft zerrütteten Familien gestärkt und gestützt, so dass die Kinder im Notfall nicht mehr die Familien verlassen müssen, um in einem Heim Hilfe zu erfahren. Sie können weiter innerhalb ihrer Familienstrukturen aufwachsen und tragen zusätzlich all das Gute und Hilfreiche, das sie im Projekt lernen, mit in ihre Familien.
Durch Erwachsenenbildung im Bereich von Hygiene, Ernährung und geistlicher Förderung erleben ganze Familien positive Veränderungen, die oft durch einkommensfördernde Maßnahmen wie Kleinviehzucht unterstützt werden können.
Die Kinder besuchen entweder die projekteigenen Schulen oder werden nachmittags nach dem staatlichen Schulunterricht in den Zentren weiter gefördert oder unterstützt. Für manche von ihnen steht nach ihrem Schulabschluss auch die Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung offen.
Diese Kinder, die bisher zu Hause nur einmal täglich etwas zu essen bekamen, können sich nun im Projekt vor dem Schulunterricht mit einem Frühstück stärken und erhalten nach der Schule eine volle warme Mahlzeit.
Im Projektgebäude wird von unseren projektführenden Partnerwerken sonntags ein Gottesdienst abgehalten und die Dorfbewohner können auch zu anderen Gelegenheiten zum Gebet kommen.
Die Dorfentwicklungsprojekte haben je nach Gegebenheiten einen etwas unterschiedlichen Charakter, da man versucht, auf die örtlichen Herausforderungen und besonderen Möglichkeiten einzugehen.
Seit unseren ersten Schritten mit einem Dorfentwicklungsprojekt im Jahre 2007 können wir auf überwiegend positive Erfahrungen zurückblicken. Wir sind sehr ermutigt zu sehen, dass wir damit nah dran an den Menschen und ihren Nöten sind und diese Förderung nicht nur Kinder aufblühen lässt, sondern ganzen Dörfern hilft, sich auf einen Weg der Veränderung zu begeben.
Für jede einzelne Kinderpatenschaft und jede gezielte Spende zugunsten von Dorfprojekten sind wir sehr dankbar in dem Wissen, dass diese Form der Hilfe auf jeden Fall gute Früchte hervorbringt.