Neue Patenschafts-Projekte für Waisen in Sierra Leone

Neue Patenschafts-Projekte für Waisen in Sierra Leone
Michael Miezal
Beauftragter der IM Deutschland für Sierra Leone

Mehr als 11.000 Todesopfer in Westafrika hat die größte EbolaEpidemie seit Entdeckung des Virus gefordert. Inzwischen ist das Thema längst aus den Schlagzeilen verschwunden. Wer die Google-Suche bemüht, findet zumeist nur ältere Artikel. Das ist ebenso erfreulich wie verständlich. Denn bereits 2 Jahre ist es her, dass Sierra Leone im März 2016 als letztes der betroffenen Länder endgültig für ebolafrei erklärt wurde. Doch wenngleich sich für viele das Leben wieder normalisiert hat: Die Seuche hat Tausende von Opfern stigmatisiert, traumatisiert und hilflos zurückgelassen.

Neben den Überlebenden, die mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben und von denen mehr als die Hälfte mit einer Sehschädigung leben müssen, die bis zur Erblindung führen kann, sind es vor allem die Kinder, die unter den Folgen leiden. Allein in Sierra Leone - so wird geschätzt - gibt es 12.000 Ebola-Waisen. Sie drohen in Vergessenheit zu geraten, während die Welt um sie herum längst wieder ihren Rhythmus gefunden hat.

Nachdem wir als Inter-Mission bereits 100 Ebola-Waisen im Rahmen eines 1-jährigen Projektes geholfen haben, ist es uns ein Anliegen, einige von Ihnen durch Patenschaften langfristig zu unterstützen. So haben wir bereits zugesagt, 30 Kinder weiterhin zu fördern. Zum Beispiel den 10-jährigen Mohamed Kanu im Dorf Petifu Brown. 

Beide Eltern starben an Ebola. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder lebt er seitdem beim Großvater, dem es jedoch völlig unmöglich ist, die Schulgebühren zu bezahlen. Mohamed musste früher Gemüse verkaufen, manchmal sogar betteln. Inzwischen wird er von Paten unterstützt und zumindest er kann nun zur Schule gehen.

Bei meinem letzten Besuch dort im Oktober 2017 richtete man einen dringenden, fast verzweifelten Appell an mich. Die für das Projekt verantwortliche Mitarbeiterin vor Ort bedankte sich herzlich, schien jedoch hilfloser als vorher. Sie meinte, es wären so viele Ebola-Waisen in Petifu Brown, dass sie sich ernsthaften Problemen ausgesetzt sah, nur so wenigen helfen zu können, während so viele andere weiterhin leiden. In ihren Worten und ihrem Gesichtsausdruck konnte ich wirkliche Sorge um diese Kinder erkennen und wünschte mir, dass wir die Möglichkeit haben werden, im Laufe der Zeit weitere Ebola Waisen in die Unterstützung einzubeziehen.