Michael Miezal aus Sierra Leone

Michael Miezal aus Sierra Leone

Diesen Bericht schreibt Michael Miezal aus Sierra Leone, kurz nach einem 
Besuch in Regent, jener Ort, an dem vor gut zwei Monaten eine Lawine aus 
Erde, Felsbrocken, Schlamm und Wassermassen mehrere hundert Menschen unter 
sich begrub. An einer von Soldaten bewachten Absperrung steht ein Haus, das 
halb weggerissen wurde. 4 Menschen starben darin. Vor dieser bedrohlichen 
Kulisse, treffen wir eine Gruppe von gut 20 Opfern, denen wir als 
Inter-Mission helfen wollen. Sie wurden ausgewählt, da sie von niemandem 
sonst Hilfe erhalten.
Nichts deutet mehr auf zum Teil mehrstöckige Häuser hin. Der weggebrochene Berg füllte das Tal an dieser Stelle meterhoch auf und begrub alles unter sich. Spuren von Baggern sind 
zu erkennen. Ihnen gelang es nicht einmal, diejenigen zu retten, die über ihr Handy um Hilfe baten und noch einige Zeit lebten. Zu dicht war der Nebel, zu stark der Regen und zu dick die Erdmassen, unter denen die Opfer begraben wurden. Auf einer kleinen Plattform liegen Blumen und Kränze - Überreste einer Trauerfeier für jene, die auch nicht tot geborgen wurden.

Victor Sesay, der Sprecher der Gruppe, überlebte zusammen mit seinem Sohn 
Easter, weil er an jenem verhängnisvollen Morgen nicht am Ort der 
Katastrophe war. Er stellt mir Nancy Fofanah vor. Auch sie hielt sich mit 
ihrem Sohn David an einem anderen Ort auf, während sich die tödliche Lawine 
bis hinunter nach Freetown ihren Weg suchte und sowohl ihren Ehemann als 
auch einen weiteren Sohn tötete. Die anderen Anwesenden hatten ebenfalls 
Glück. Oder erlebten es, wie Aiah Josia mir sagt, als Gottes Bewahrung, 
dass sie nicht in ihren Häusern waren, als morgens um etwa halb sieben das 
Unglück über ihre Familien hereinbrach. Dennoch: sie sind jetzt obdachlos 
und dringend auf Unterstützung angewiesen, zumal in den meisten Fällen 
einer der Verdiener nicht mehr lebt. Deshalb wollen wir diese Leute als 
Inter-Mission zunächst mit dem Nötigsten versorgen: Reis, Palmöl und andere 
Lebensmittel sowie Hygieneartikel wie Seife, Zahnpasta und 
Desinfektionsmittel. Außerdem erhält jeder ein Moskitonetz.