Chennai versinkt im Wasser

Chennai versinkt im Wasser
The Hindu Newspaper, R. Ragu - People Being Rescues From Flooded Homes in Kotturpuram

3. Dezember 2015

Chennai, die Hauptstadt von Tamil Nadu im Süden Indiens, wurde wie seit 100 Jahren nicht mehr von schweren Regenfällen getroffen, die verheerende  Überschwemmungen in der Stadt und den umliegenden Gebieten verursachten. Die Stadt wurde offiziell zum Katastrophengebiet erklärt.

Anfang November entwickelte sich in der Bucht von Bengalen ein Tiefdruckgebiet, das die Stadt mehr als 20 Tage fast pausenlos mit schweren Regengüssen überschüttete. Schulen und Colleges sind seit 17 Tagen geschlossen und einige Tage kam das gesamte Leben in der Stadt zum Stillstand.

Am 1. Dezember fiel eine größere Menge Regen als normalerweise in einem ganzen Monat. In vielen Teilen der Stadt wurden an diesem Tag 300-500 mm Regenfall verzeichnet. Die Seen und Flüsse der Umgebung sind allesamt überschwemmt und das größte Wasserreservoir in Chemabrambakkam am Rande der Stadt musste über 60000 Kubikliter/Sekunde ablassen. Mehrere tausend Slumhütten entlang der Flüsse wurden fortgeschwemmt und betroffene Familien mussten in Sicherheit gebracht werden. In vielen weiteren Teilen der Stadt stand das Wasser in den Häusern bis zu 3,60 m hoch. Manche Gegenden konnten aus Sicherheitsgründen nicht mit Booten befahren werden und es wird befürchtet, dass viele dort noch ohne Hilfe festsitzen.

Der Flughafen von Chennai musste geschlossen und alle Flüge umgeleitet oder gestrichen werden. Bis zum heutigen Tag saßen aufgrund fehlender Transportmittel etwa 400 Passagiere im Flughafengebäude fest. Mehrere Züge kamen wegen Überflutung der Gleise zum Stillstand. Die meisten Hauptstraßen sind unter Wasser, die Saidapet Brücke, Teil der Hauptader von Anna Salai, musste geschlossen werden, weil der Fluss über die Brücke strömte. Im Norden Chennais brach heute Morgen in Avadi eine weitere wichtige Brücke unter der Last des Wassers zusammen. In der gesamten Stadt waten Menschen auf der Suche nach einem sicheren Platz durch Wasser, das ihnen bis zur Taille und teilweise bis zur Brust reicht. Mehrere Krankenhäuser wurden ebenfalls stark überschwemmt und mussten Patienten in andere Krankenhäuser evakuieren.

Zusammen mit Armee, Marine und dem Nationalen Katastropheneinsatzdienst ist die lokale Polizei im Einsatz, um bei Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Notfallboote helfen bei der Rettung von Menschen in den überschwemmten Gebieten.

Über viele Stunden war die Stromversorgung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet und außerdem viele mobile Netzwerke heruntergefahren, so dass Menschen in dieser Notsituation nur unter Schwierigkeiten kommunizieren konnten. Schulen, Colleges, Kirchen, Einkaufszentren und Theater öffneten ihre Türen, um von der Flut Betroffene zeitweilig unterzubringen.

Seit der Nacht des 2. Dezember hat der Regen nachgelassen. Der Wetterbericht sagt allerdings für die kommende Wochen weitere Regenfälle voraus und hier in Chennai rechnet man mit dem Schlimmsten. Niemand weiß, was der nächste Tag bringen wird.

Nach bisherigen Meldungen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt etwa 269 Tote, der Verlust von Eigentum ist nicht zu beziffern.

Das Heim der Inter-Mission in Alamathi liegt in einem der am schlimmsten betroffenen Gebiete. Alle Kinder sind in Sicherheit, die Gebäude zeigen jedoch großeWasserschäden.

Chennai braucht viel Gebet, besonders für ein Ende der Regenfälle und den Abzug des Tiefdruckgebiets. Außerdem benötigt Chennai vermehrt Hilfe in der jetzigen Situation und in der Zukunft, denn viele Menschen haben alles verloren und keinen Ort mehr, an den sie zurückkehren können. Andere mussten die irreparable Zerstörung ihrer Häuser, Fahrzeuge und Besitztümer erleben.

Derzeit herrscht akute Knappheit von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, einfachsten Versorgungsmitteln und medizinischer Hilfe. Die wenigen noch geöffneten Läden sind ausverkauft, es besteht eine hohe Nachfrage an Nahrungsmitteln, die mittlerweile zu hohen Preisen angeboten werden. Alte, kranke Menschen, Kinder und schwangere Frauen sind in dieser Notsituation ganz besonders betroffen, da Vorräte und medizinische Hilfe begrenzt sind. Menschen haben in Massenquartieren temporäre Unterkünfte gefunden, verfügen aber weder über Bettzeug, noch warme Kleidung oder anderes grundlegendes Zubehör. Auch das Gesundheitsrisiko ist enorm, da sich der größte Teil des Abwassers bereits mit dem Trinkwasser vermischt hat und der durchweichte Boden bzw. das nicht versickernde Wasser eine Brutstätte für Krankheitserregerbietet.

Bitte betet weiter für die Menschen in Chennai.