Unterwegs in eine neue Welt: Sumitra Kumari

Unterwegs in eine neue Welt: Sumitra Kumari
Unterwegs in eine neue Welt: Sumitra Kumari

In den 15 Jahren meines Lebens sah meine Welt so aus:

Meine Eltern arbeiten nicht. Zwei meiner fünf Brüder und eine meiner beiden Schwestern sind verheiratet, die anderen drei Brüder arbeiten als Tagelöhner.

In  Amari Tola, einem Dorf im Norden Indiens wo ich wohne, ist die Haupteinnahmequelle  die Prostitution. Wenn ein Mädchen wie ich bei uns alt genug ist, hat sie zwei Möglichkeiten: entweder sie wird Prostituierte oder sie heiratet. Die meisten Mädchen werden zur Prostitution gezwungen. Aber schon bevor ich mich für eine von beiden entscheiden konnte, wurde ich Zuhause sexuell missbraucht.

Als ich zehn war nahmen meine Eltern mich schon zum Tanzen zu Hochzeiten mit, wo ich sexuell belästigt wurde. Ich  wohnte damals bei meiner Schwester und ihrem Mann. Wenn meine Schwester unterwegs war, kochte ich für meinen Schwager. Nachts kam er in mein Bett und vergewaltigte mich.

Ich schämte mich und fühlte mich missbraucht. In meiner Not wandte ich mich an den Leiter des Dorfentwicklungsprojekts der Inter-Mission. Ich wollte nicht länger im Haus meiner Schwester bleiben. Wie froh war ich, als man mich im Zentrum  in Sikaria aufnahm, wo ich bis zur 10. Klasse die Schule besuchte. Jetzt gehe ich zur Berufsfachschule.

Eine gute Ausbildung ist mir ganz wichtig. Außerdem möchte ich gern anderen helfen, denen es genauso ergangen ist wie mir. Mein größter Wunsch ist es dazu beizutragen, dass mein Dorf nicht länger von der Prostitution lebt, sondern ein sicherer Ort wird für Mädchen wie mich und dass ich dort Achtung erfahre. Ich möchte, dass die Dorfbewohner verstehen, wie falsch es ist, ihre eigenen Töchter in die Prostitution zu zwingen. Sie sollen an meinem Leben erkennen, dass Bildung einen Weg aus der sexuellen Versklavung bietet und uns mit besseren Chancen und Erwerbsmöglichkeiten ausrüstet.

Ich bin der Inter-Mission so dankbar! Ohne ihr Dorfentwicklungsprojekt hätte ich nicht zur Schule gehen können. Meine Eltern hätten mich entweder früh verheiratet oder mich zur Prostitution gezwungen.

Aus tiefstem Herzen danke ich den Menschen, die mich unterstützt und mir bis hierhin geholfen haben. Sie gaben mir Freiheit, Würde und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie trugen dazu bei, dass meine Welt anders wurde und dank ihnen werde ich helfen, die Welt um mich herum anders zu gestalten.